Theaterproduktion „Spieltrieb“

Ich habe 2008 mit P14, der Jugendtheatergruppe der Volksbühne Berlin, das Stück „Spieltrieb“ als eigene Adaption des Juli Zeh Buches inszeniert. Der untenstehende Text ist von der Volksbühnenwebsite entnommen und kann unter diesem Link nachgelesen werden.

Das Deutschlandradio hat damals einen interessanten Beitrag über die Produktion gemacht:

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Spieltrieb
nach dem Roman von Juli Zeh

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ sagte Schiller. Wenn aber tatsächlich nur noch Spielregeln gelten, und außer ihnen nichts anderes – Moral, Scham, Empathie – Bestand hat, hört er dann nicht vielmehr auf, menschlich zu sein?

In Juli Zehs Roman „Spieltrieb“ (2004 bei Schöffling & Co) verwickeln zwei Schüler, Ada – 15 Jahre, frühreif, hochintelligent und hoffnungslos gelangweilt – und Alev – 18 Jahre, selbstbewusster Hexenmeister, ausgestattet mit dem Willen zur Macht – ihren Lehrer Smutek in ein Spiel aus Sex, Erpressung und Gehorsam, das nur noch um seiner selbst willen gespielt wird. Der Roman stellt die beunruhigende Frage, was von einer Gesellschaft zu erwarten ist, in der alle Werte gleich gültig sind, in der nur noch der Spieltrieb das Handeln motiviert.

In der Regie von Marieke Zwilling wird diese Geschichte auf der Bühne selbst zum Spiel, dessen Regeln und Konstellationen immer wieder neu erfunden und besetzt werden: In wechselnder Besetzung, in Szenen, Tanz und Improvisation lassen sechs Spieler die Handlung aus immer neuen Impulsen entstehen. Sie erzählen so nicht nur eine Geschichte, sondern verhalten sich dazu, steuern selbst ihren Verlauf – und dabei tritt immer wieder auch zutage, was sich den Spielregeln entzieht. Obwohl Ada sich kühl gibt, ist sie Hals über Kopf in Alev verliebt. Smutek genießt auf seltsame Weise die Abhängigkeit, in die er sich begibt. Und Alev droht trotz überlegener Planung die Kontrolle über das Spiel zu verlieren, das er begonnen hat.

Für die Inszenierung haben Frederic Gmeiner und Nils Frahm vom Projekt Übertonmensch eine interaktive Klanginstallation geschaffen, die die Bewegungen und Impulse der Spieler live in Atmosphären und Klangräume umsetzt. Die Inszenierung erhält so einen charakteristischen Rhythmus, von atmosphärischem Gleichklang bis zu bedrohlicher Dissonanz – dem Spektrum des sich entfaltenden Spiels entsprechend, das seine eigene Dynamik entwickelt.

Regie & Text: Marieke Zwilling
Cast: Nele Stuhler, Anna Kubelik und weitere
Sound & Reaktiver Klangboden: Übertonmensch
Dramaturgie & Text: Katrin Beushausen, Katrin Wächter
Videoinstallation: Marieke Zwilling, Gunnar Leinemann

 

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