What Is Your Name / Wie Ist Dein Name

„What Is Your Name“ ist eine viersprachige Theaterarbeit, die ich zusammen mit dem Künstler, Professor und Autor Paul Carter im Juli 2004 auf die Beine gestellt habe. Die Theaterproduktion war an ein Hauptseminar zum Thema „Postcolonial Performativity“ an der Freien Universität Berlin gekoppelt, unter der Leitung von Russell West und dem als Gastprofessor residierenden  Carter. Da ich zu diesem Zeitpunkt sowohl Studentin an der Anglistik war, als auch seit Jahren als Regisseurin von prompt! the english drama group den größten Spaß hatte, wurde ich gefragt, ob ich die Produktion leiten würde. Ich sagte ja. Was folgte, war ein dermaßener Brain Fuck, dass ich selbst heute, 12 Jahre später, immer noch vor der Dokumentation der Produktion stehe und „Wow“ sage.

Der Text des Stücks basiert auf einem Hörspiel, das 1986 für das australische und deutsche Radio produziert wurde. Inspiriert durch das Erdbeben in Mexiko City 1985, das Verhörzellen unter Regierungsgebäuden freilegte, schrieb Carter ein dialogisches Stück, dass sich thematisch mit der Angst, dem Pathos und den Wünschen beschäftigt, die bei Verhören zwingend auftreten. Es geht um Macht und es geht um die Macht der Sprache.

In den Dialogen treten die Verhörten auf, universelle Flüchtlinge, sei es ein „Desaparacido“ aus den 80ern in Mexiko oder ein Eingeborener aus Western Victoria zur Zeit der Kolonisierung durch die Weißen. Die kolonisierende Macht wischt in Australien früher existierende Spuren von Existenz aus und beginnt durch kolonisierende Sprachmacht, den „neuen“ Kontinent zu benennen. So wird aus der „Terra Incognita“ „Astralien“ und aus den Besitzern des Landes Flüchtlinge. Hunger, Durst, Ientität – die neuen Besatzer geben und nehmen, wie und wann sie wollen. Im Stück wird diese Benennung der Dinge und Menchen zur Obsession – und führt auch zu Nicht-Namen, also der Auslöschung des Seins. So tauft einer der Verhörer einen Eingeborenen, der früher „Jowley“ hieß, in „Nobody“ um.

23 Szenen, 5 Wochen Zeit, 8 Amateur-Schauspieler, die in 4 Sprachen (englisch, deutsch, russisch und polnisch) in 1 Theater ein Stück uraufführen. Zu einem Stück gehören natürlich auch Lichtdesign, Soundinstallation, Bühne, Set, PR, Kostüme, Standfotografie und Probenarbeit. Die eine Regisseurin mit der einen, super talentierten Regie-Assistentin sowie die Professoren mit ihren a) sehr intellektuellen Vorstellungen von postkolonialer Perfomativität und b) sehr interdisziplinär alle Grenzen des künstlerischen Genies sprengenden Seite standen sich teils konträr gegenüber und führten dazu, dass die Arbeit am Stück nicht einfach war. Um den Rahmen nicht zu sprengen: Ich denke, dass wir gefühlt 20 Metaebenen rund um den Diskurs von „Verhör“ und „Macht der Sprache“ aufgebaut haben, bis zu Kostümen, die sich zum Ende des Stückes in Zwangsjacken verwandelten, Graffiti, das live auf der Bühne gesprüht wurde bis hin zu Improvisation auf der Harfe.

Es war ein absoluter Ritt, eine Kollaboration, die von Caroline (meiner Assistentin) und mir das Allerhöchste abverlangte. Einer, der sehr, sehr fördernd auf vielen Ebenen war, intellektuell wie künstlerisch und auch heute noch die Macher inspiriert. 2016 werden sich die Darsteller in Berlin zu einem Nachtreffen wiedersehen, ich bin sehr gespannt.

Hier ein Mitschnitt vom Premierenabend:

 

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